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14.05.01 - Ferraris zum Sieg von Berlusconi




Luigi Vittorio Graf Ferraris auf allen TV-Kanälen: Der ehemalige Botschafter Italiens in Bonn und Autor des printul-Sellers („Wenn schon, denn schon – aber ohne Hysterie. An meine deutschen Freunde“) war am Wahlabend ein viel gefragter Mann bei ARD, BR und ORF.

Eine “Institution der deutsch-italienischen Beziehungen” nannte ihn im bayerischen Fernsehen der TV-Moderator der „Münchner Runde“, die dem Top-Ereignis eine aktuelle Stunde widmete und Ferraris live aus Rom zuschaltete.

Ferraris mahnte zur Gelassenheit und forderte weniger Aufgeregtheit hierzulande. Wir Deutsche sollten uns wegen des italienischen Wahlergebnisses nicht solche Sorgen machen. Seine Landsleute hätten sich nach gewissen Enttäuschungen schlicht und einfach diesmal für die Alternative entschieden.

„Man soll abwarten und sehen, ob Berlusconi eine gute Regierung führen wird oder nicht.“

Ferraris verwies darauf, dass die Änderung des italienischen Wahlsystems hin zum englischen Mehrheitswahlrecht zwangsläufig die Zuspitzung auf zwei Antipoden („Bipolarität“) provoziert habe. Die Abstimmung erinnere ihn an die amerikanischen Wahlen mit ihrer Personifizierung durch die Medien in einer Art Volksabstimmung. Dies habe in Italien nach der Zerstörung der alten politischen Klasse wegen der Schmiergeldaffären in den neunziger Jahren zum Entstehen einer neuen Klasse geführt.

„Damit müssen wir leben“ sagte der prominente Buchautor und warnte vor einer Überbewertung der noch offenen juristischen Auseinandersetzungen um die Person Berlusconi.

Das bewege die Italiener nicht so sehr. Wichtiger sei die Zukunft, das, was der neue Premier für seine Landsleute tun werde.

„Das Hochspielen der Affären in der Endphase des Wahlkampfes war wahrscheinlich ein großer Fehler seiner Gegner und hat seinen Erfolg nur gefördert.“

Der Diplomat machte auch darauf aufmerksam, dass das Regieren eines Staates etwas anderes sei als das Führen eines Unternehmens.
„Das ist eine ganz andere Philosophie !“

Man müsse bei Berlusconi jetzt abwarten, ob ihm auch das Regieren wirklich gelinge.

„Wird er das schaffen, was er versprochen hat ? Wie wird er es schaffen ?“
Das seien die Fragen, die jetzt im Raum stünden.

Auch die Tatsache, dass Berlusconi sehr reich sei, könne ja nun nicht bedeuten, dass Reiche nicht für hohe Staatsämter kandidieren dürften.
„Wenn es keine Berufspolitiker mehr gibt, kommen natürlich neue Leute. Die sind ja nicht von Haus aus schlecht, nur weil sie reich sind.“

Anders als es hierzulande dargestellt wurde, verwies Ferraris darauf, dass die staatlichen TV-Anstalten überwiegend mehr den Mitte-Links Kandidaten Rutelli unterstützt, während die privaten Sender Berlusconi protegiert hätten. Die Italiener seien aber skeptisch genug, das zu erkennen: „Sie hören nicht mehr zu“.

Besonders positiv wertete Ferraris, dass die Liga Nord des Populisten Umberto Bossi so stark verloren hat.

„Sie ist praktisch verschwunden. Ein positives Zeichen, dass diese undurchdachten Sprüche eigentlich schon vorbei sind. Deshalb bin ich beruhigt.“

Hinsichtlich Europa betonte Ferraris, dass die Politik Berlusconis nicht grundsätzlich anders sein wird. Doch den Ex-Botschafter plagt den Eindruck, dass die neue Koalition über keine besondere persönliche Meinung über Europa verfüge.

„Man kann in Italien nichts gegen die ´Mama` sagen, so kann man auch nichts gegen ´Europa` sagen. Alle sind mit Europa einverstanden. Das ist sehr schön und gut, aber ich befürchte, dass man keine wirklich neuen konstruktiven Ansätze für die Europa-Debatte hat. Ich hoffe, dass sich Italien zukünftig verstärkt an dieser auch von Schröder mitgestalteten Debatte beteiligen wird.“

Schlussfrage des Moderators: „Wie lange wird Berlusconi diesmal regieren ?“

Antwort Ferraris: „Warum nicht fünf Jahre angesichts der jetzigen parlamentarischen Mehrheit und der Fast-Bedeutungslosigkeit von Bossi!“.



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