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05.04.2001 - Alles Spiel oder was? Ein Mosaik




Nicht erst der niederländische Kulturhistoriker Johan Huizinga hat 1938 in seinem Klassiker »Homo Ludens« den "Ursprung der Kultur im Spiel" ausgemacht. Bereits Friedrich Schiller gestand offen: »Um es einmal herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.«

Sogar heutige Philosophen (die hinken nicht selten hinterher) preisen die »Ästhetik des Spiels« (Ruth Sonderegger; 2000).

Doch die größten Naturwissenschaftler bekannten sich schon immer zum Spiel als einer der wesentlichsten Triebfeder des Wissens.

Dabei brauchen wir keineswegs die Anfänge der Wahrscheinlichkeitsrechnung bemühen. So meinte James Maxwell, einer der größten Physiker des 19. Jahrhunderts und Schöpfer der Grundgleichungen des elektromagnetischen Feldes, »wir können die tiefsten Lehren der Wissenschaft in Spielen versinnbildlicht finden.«

Das Computerzeitalter ruht auf den Taten weniger Männer: Norbert Wiener, der Kybernetiker, Vannevar Bush, der Herr riesiger Analogcomputer, Claude Shannon, der Schöpfer der mathematischen Informationstheorie, Alan Turing, der Erfinder der universalen Rechenmaschine, und John von Neumann, der Vater der gegenseitigen atomaren Abschreckung und Begründer der mathematisch-ökonomischen Spieltheorie (sein Lieblingsspiel war Poker).

Sie alle befassten sich nicht nur mit (zum Teil todernsten) Strategien, sondern hatten auch ein humorvoll-ironisches Verhältnis zum Spiel. Die schönste Maschine, die zum Beispiel Shannon je baute, war zugleich die sinnloseste: ein einfacher schwarzer Kasten in Shannons Wohnzimmer, mit einem einzigen Schalter, der selbstredend auf OFF stand.

Kaum dass Freunde oder Besucher den Kasten sahen, legten sie den Schalter auf ON um. Der Deckel ging auf, eine kleine weiße Automatenhand tastete nach dem Schalter, fand ihn und stellte wieder auf OFF. Die Hand bewegte sich in ihr Dunkel zurück, der Deckel ging zu, das Spiel war gespielt.

Leben als Spiel: Diese Wechselwirkungen mit der Umwelt und mit anderen Menschen bedeuten Konflikt. Um Konflikte zu lösen, bedarf es möglichst kluger Entscheidungen.

Und jede Entscheidungssituation kann als Spielsituation aufgefasst werden.

Dabei war es noch nie so wichtig wie heute, Entscheidungen bei "unvollständiger Information" treffen zu müssen:

Wenn wir abwarten, dass vollständige Information bzw. wissenschaftliche Sicherheit herrscht, um geeignete Aktionen zu beschließen, dann haben wir schlechte Karten – ganz egal, ob es um das Wissen über Ursachen und Wirkungen geht (z.B. den Zusammenhang Schadstoffausstoß und Klima), oder einfach um unsere Zukunft.

Wirtschaft als Spiel: Bereits Huizinga erkannte, dass man an der Börse genau so spielt wie am Roulette-Tisch – auch wenn der Börsianer nicht zugeben will, dass sein Handeln Spiel ist.

Doch hier »macht sich der Spieler irgend einen Wahn vor, er könne die künftige Tendenz des Marktes berechnen. Der Unterschied in der Geisteshaltung ist äußerst gering.« Irrationale Spekulationen an den Börsen sind so alt wie diese Institution.

Die Spekulation mit Tulpenzwiebeln in Holland führte 1636 zum ersten dramatischen Crash in der Börsengeschichte: "Halli-Galli-Wirtschaft" vor fast vierhundert Jahren; e-commerce- und dot.com-Euphorie u.ä. heißt die "Tulipomanie" unserer Tage.

Doch dass man auch an der Börse und in der Businesswelt genauso klug und weise spielen kann wie im Leben, hat der unvergessene André Kostolany bewiesen.

Der gemeinsame Nenner ist kreatives, strategisches Denken – das auch immer weises Denken bedeutet; man denke daran, dass optimale Strategien nicht selten Vermeidungsstrategien sind.

Im Grunde genommen brauchen wir nur unseren gesunden Menschenverstand einzusetzen.

Der Chemie-Nobelpreisträger Manfred Eigen sagt es so: »Zufall und Regel sind die Elemente des Spiels. Einst von Elementarteilchen, Atomen und Molekülen begonnen, wird es nun von unseren Gehirnzellen fortgeführt.«

München im Frühjahr 2001
Pierre Basieux



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