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12.08.01 - Nur wer wagt, gewinnt




Die Börsenturbulenzen der letzten Monate und speziell die Offenbarung am Neuen Markt haben vielen Zeitgenossen – z.T. sogar recht brutal und eindringlich – eine Grundregel jeglicher Ökonomie vor Augen geführt:

- Mit Geld geht vieles, aber ohne Risiko läuft nichts !

Mag das mancher auch immer noch nicht wahrhaben wollen und Anwälte losschicken, um am Ende dann doch nur zu erfahren, dass die Justiz nicht dazu da ist, die Grundregeln der Ökonomie außer Kraft zu setzen. So wird nur weiter gutes Geld schlechtem nachgeworfen. (Gut immerhin für die Juristen, ihnen eröffnet sich wenigstens ein neues lukratives Geschäftsfeld.)

Wer also wagt, der gewinnt. Wer nichts wagt, der gewinnt nichts, aber: er verliert auch nichts! (Man denke an das Mikado-Spiel und die vielen Witze dazu).

Das klingt auf den ersten Blick unstrittig. Doch ist es wirklich auch richtig ?

Der Blick auf die ökonomischen Vorgänge der letzten Monate scheint eine Zuspitzung dahingehend zu erfordern, dass man heute eher sagen sollte:

Wer wagt, der gewinnt. Wer aber nichts wagt, der verliert !

Wer also nicht aufspringt auf den Zug des ewigen Aufschwungs und der verheißungsvollen Renditen, bleibt nicht nur auf der Strecke, nein, er fällt mehr und mehr zurück. Das gilt für den Unternehmer und seine Investitionen, das gilt aber auch für den einzelnen „kleinen Angestellten“. Ohne Wagnis ist er bald weg vom Fenster, Karriere ist so nicht zu machen...

> „Führen ist eine persönliche Leistung, das Eingehen von Risiken, und nicht nur das Anwenden von Richtlinien, Vorschriften und Systemen.“

So lautet heute Regel Nr. 1 im Leitbild für Führungskräfte des Münchner Unternehmens Bayerische Motoren Werke. Das ist die Philosophie eines global Players, der sich nach einem kräftigen Tiefschlag wieder aufgerappelt hat und derzeit von Erfolg zu Erfolg stürmt.

So fordert BMW heute von seinen Führungskräften ganz bewusst das „Eingehen von Risiken“ und eben nicht nur das Befolgen von Vorschriften und Richtlinien, die oft beim ersten Anwenden schon asbach-uralt sind. Ein derart offenes Bekenntnis zur Grundregel der Ökonomie ist in Leitbildern anderer Unternehmen noch keineswegs selbstverständlich.

Eigentlich sollte das auch Leitlinie Nr. 1 der viel beschworenen „Aktienkultur“ hierzulande sein, gültig für alle Anleger, große und kleine. Viele haben hier offenbar falsche Vorstellungen und glauben, dass das Spekulieren nur Auswirkungen in eine Richtung hat. Wenn man für Omas banales Sparbuch mit dem (zugegeben) dürftigen Zinssatz in der Öffentlichkeit zuletzt nur noch Spott und Häme übrig hatte, darf man sich nicht wundern, wenn Oma heute triumphierend ihren Börsen geschädigten Enkeln mal hie und da ein echtes Scheinchen zusteckt, damit sie sich was Nettes kaufen können. Die Armen.

Wer Anlagen mit überdurchschnittlich hohen Renditen verspricht und dabei gleichzeitig zu erwähnen vergisst, dass analog zur höheren Rendite das Verlust-Risiko steigt, handelt unverantwortlich. Wer aber solche Versprechen unkritisch glaubt, handelt schlicht und einfach töricht. Die Folgen hat er dann allein zu tragen, nicht die Gemeinschaft.

> „Wagnis, Gefahr, Verlustgefahr“ sagt schlicht der Brockhaus zum Stichwort „Risiko“ und führt weiter aus:

> „Betriebswirtschaftlich wird der Begriff mehrdeutig gebraucht: als Gefahr einer falschen Entscheidung oder als messbare Ungewissheit, für die numerische Wahrscheinlichkeiten gegeben sind. Risiko ist eine Folge unvollkommener Information für die Zukunft.“

Jede Wirtschaft, hat Kurt Tucholsky bereits Anfang der 30er Jahre in seiner Abhandlung „Kurzer Abriß der Nationalökonomie“ verkündet, „beruht auf dem Kreditsystem, das heißt auf der irrtümlichen Annahme, der andere werde gepumptes Geld zurückzahlen.“

Dass es sich bei diesem Satz keineswegs um Satire oder Zynismus handelt – was man bei diesem Autor ja zunächst vermuten könnte – beweisen ganze Stabsabteilungen, die in unseren Banken heute nichts anderes tun, als Tucholskys Erkenntnis möglichst nicht für alle ihre ausgereichten Kredite Wirklichkeit werden lassen. (Allerdings sprechen die Banker in diesem Zusammenhang heute eher trocken von sog. „work-out-Abteilungen“).

Jede Bank trifft bei jedem Kreditantrag eine Entscheidung unter Risiko mit dem entscheidungsrelevanten Merkmal der unvollkommenen Information im Hinblick auf die Zukunft.

Jedem Unternehmer geht es bei seinen Investitionen nicht anders.

Auch kein Job-Hopper weiß, ob nicht bereits die nächste Karriere-Stufe einen gefährlichen Stolperstein bereithält. Und runter geht’s bekanntlich schneller als rauf.

Doch: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt, und: wer nichts wagt, der verliert !

Das ist eine Folge unserer zunehmend globalisierten Welt mit ihren immer kürzeren Produktlebenszyklen. Der Ausdruck „schnell-lebige Zeit“ ist leider kein dummes Schlagwort mehr, sondern Realität. Die „Halligalli“-Wirtschaft (Synonym für: „die-schnelle- Mark-machen“) hat längst Fahrt aufgenommen.

Wer das noch nicht wahrgenommen und verinnerlicht hat und darauf keine Antwort bzw. Strategie gefunden hat, der wird verlieren im großen Business-Spiel ohne Grenzen !

> Mit Geld geht vieles, aber ohne Risiko läuft nichts !

Doch ist diese Erkenntnis so neu nun auch wieder nicht. Seit es Spiele mit der Aussicht auf Gewinn oder Verlust gibt, hat sie jeder Spieler leidvoll erfahren dürfen. Kein Wunder, dass gegenwärtig immer mehr von „Casino-Mentalität“ die Rede ist, wenn von Börse und „Aktienkultur“ gesprochen wird. Hans-Olaf Henkel fand das Spielcasino im Gegensatz zum Neuen Markt sogar „seriöser“. Denn: „Die nehmen wenigstens eine Eintrittsgebühr!“

„Aktienkultur“ heißt doch nichts anderes als Mitmachen beim großen Zocken! Inzwischen sollen es ja schon zig Millionen Germanen sein, die Blut geleckt haben am großen Jackpot auf dem gelben Parkett. Wer spielt denn da noch Lotto...

Scheinbar ganz Pfiffige gehen jetzt eher in Fonds als in Einzelpapiere. Doch macht das die Sache nicht grundsätzlich besser: Selbst ein Bündnis von Blinden ergibt noch keinen Sehenden. Es handelt sich nur um eine andere Variante des Zockens. Mit vermeintlich geringerem Risiko.

Seit es das Risiko-Spiel gibt, haben immer wieder viele Zeitgenossen versucht, der Sache auf den Grund zu gehen.

Doch egal welche Ergebnisse jeder für sich dabei herausfand und noch finden wird, im Spiel wie im Business ist Risiko gleichbedeutend mit potenziellem Verlust von Geld. Es geht stets ans Eingemachte. Darauf hat der Mathematiker und Spieleforscher Pierre Basieux in seinem Buch „Die Welt als Roulette. Denken in Erwartungen“ hingewiesen:

> “Die Kosten-Nutzen-Analyse von Risiken, kurz Risiko-Analyse, ist zwar eine ziemlich komplizierte Materie, die jedoch auf die Frage >Wie sicher ist sicher genug?< durch die ausschließlich monetäre Bewertung sozialer und kultureller Güter ihre engen Grenzen findet: Was nicht gekauft werden kann, wird von den kompliziertesten Berechnungen nicht erfasst; Risiko ist ausschließlich eine Geldsache – manche Schiffskapitäne erhalten eine Prämie, wenn sie den Lotsen einsparen.“

Der Automobil-Hersteller DaimlerBenz wurde vor Jahren von den Börsen-Analysten gnadenlos abgestraft, weil er es gewagt hatte, bei seinem neuen A-Modell ein besonders effektives Sicherheitssystem einbauen zu wollen, was natürlich zu Lasten der Shareholder ging...


Zuvor wurde der Brockhaus zum Stichwort „Risiko“ bemüht. Unter anderem hieß es da:

> „...als messbare Ungewissheit, für die numerische Wahrscheinlichkeiten gegeben sind.“

Aus diesem Grund haben sich die ernsthaften Spieleforscher diesen messbaren Ungewissheiten und ihren Wahrscheinlichkeiten intensiv angenommen. Unter vielen anderen neben dem bereits zitierten Pierre Basieux, der das insbesondere für das Spiel „Roulette“ durchgeführt hat, der – ebenfalls promovierte Mathematiker und Unternehmensberater – Charles Cordonnier für das Spiel „Black Jack“ (s.a. auf dieser Seite: > Exclusive Spielebibliothek“).


Beide Autoren haben intensive Forschungen und Berechnungen angestellt, um beim jeweiligen Spiel Wahrscheinlichkeiten und Erwartungen für das Eintreten bestimmter Ereignisse herauszufinden. Daraus abgeleitet haben sie dann ihre Spiel-Strategien. Deren bewusste Anwendung unterscheidet den intelligenten („Player“) vom normalen („Zocker“) Spieler.

Können die Erkenntnisse dieser Spiel-Strategien dem Manager von heute bei seinen Entscheidungen im unsicheren Business weiterhelfen ? Lassen sich die Erwartungen für die Zukunft irgendwie fassen, evtl. eingrenzen, gar konkretisieren ?

Über die Spieltheorie und die Anwendungen ihrer Erkenntnisse auf die Ökonomie haben sich viele kluge Köpfe, darunter Nobelpreisträger, ausführlich geäußert. Darauf näher einzugehen, würde hier den Rahmen sprengen.

Doch: Je intensiver man sich mit ihren Erkenntnissen befasst, zeigt sich eines deutlich:
es handelt sich um eine faszinierende Beziehung !

Wenn der Manager von heute sein ganz persönliches „Denken in Erwartungen“ an den Erkenntnissen der modernen Spieltheorie orientiert, wird er in seinem Geschäft langfristig mehr Erfolg haben, als der Unternehmer, der ohne jegliche Strategie vorgeht.

Im Business wie im Spiel kommt es auf die richtige Strategie an.

Im intelligenten Spiel-Verhalten kann man diese üben.

Im Business kann man sie dann erfolgreich umsetzen.

Nur wer wagt, gewinnt !

Stefan Uhlig
im August 2001



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