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15.11.2001 - Ist Risikofreude eine Tugend ?




Mut zu Entscheidungen zeichnet gute Unternehmer aus, aber auch die Fähigkeit, Risiken richtig einzuschätzen. Die vier Risiko-Arten, die jeder kennen sollte, beschreibt der renommierte Management-Trainer, Prof. Fredmund Malik, in einem Beitrag für die WeltamSonntag vom 4.11.2001.. (www.wams.de) Hier ein Auszug:

Gute Unternehmer und Manager haben ein sehr zwiespältiges Verhältnis zum Risiko. Vor allem haben sie gelernt, dass man klar zwischen verschiedenen Arten des Risikos unterscheiden muss. Es gibt deren vier, die man sorgfältig auseinander zu halten hat.

1) Da ist erstens das Risiko, das unvermeidlich mit allem Wirtschaften wesensgemäß immer verbunden ist. Das Leben selbst ist bekanntlich schon lebensgefährlich, und die Wirtschaft an sich hat keinen Mangel an Risiken. Sie sind weit größer, als die meisten Menschen sich vorzustellen vermögen, weil sie in unserer heutigen Gesellschaft diesbezügliche Erfahrungen gar nicht machen konnten. In der Wirtschaft ist nichts gesichert. In jeder Silvesternacht werden klammheimlich draußen, gleichgültig, wie gut der Jahresabschluss war, alle Register auf null gestellt, und der ganze Kampf und Krampf beginnt von neuem. Leute, die bilanzieren müssen, und vor allem jene, die mit eigenem Geld bilanzieren, wissen das. Niemand muss es ihnen sagen, und daher stehen sie dem Ruf nach größeren Risiken skeptisch gegenüber. Das hat nichts mit einem Mangel an unternehmerischen Mut zu tun, wie so viele Zeitgeist-Vertreter meinen. Schon das gewöhnliche Risiko ist groß genug. Man braucht kein zusätzliches.

2) Die zweite Risikoart ist das über das erste hinausgehende, zusätzliche Risiko, das man sich leisten kann. Man kann es sich leisten, weil es einen nicht umbringt, wenn es schlagend wird. Dieses Risiko geht man ein – und die meisten Unternehmer brauchen dafür keine besondere Aufforderung. Wer 100 000 Mark im Jahr verdient und mit 1000 Mark in die Spielbank geht, wird sein Geld wahrscheinlich verlieren, aber er geht normalerweise daran nicht zu Grunde.

3) Das dritte Risiko ist jenes – wieder über das erste hinausgehende -, das man sich definitiv nicht leisten kann: weil es einen umbringt, wenn der Risikofall eintritt, weil es einen in die Pleite treibt. Dieses Risiko darf man nicht eingehen, unter gar keinen Umständen, auch wenn die Gewinnchancen noch so groß sind und gleichgültig, was Leute fordern, die eben nicht einmal das gewöhnliche Wirtschaftsrisiko kennen. Hier helfen auch keine noch so raffinierten, manchmal als Wissenschaft getarnten Überlegungen und Berechnungen. Vor allem hilft der Hinweis auf Wahrscheinlichkeiten nichts.
Die Frage, die man sich stellen muss, lautet nicht: Wie wahrscheinlich ist das Risiko ? Die Frage muss lauten: In welcher Situation befinde ich mich, wenn es schlagend wird, gleichgültig wie gering die Wahrscheinlichkeit ist ? Das bedeutet noch nicht, dass man über ein solches Geschäft prinzipiell nicht nachdenkt. Aber statt sich den Kopf über Wahrscheinlichkeiten zu zerbrechen, überlegt man, wie man aus dem Risiko der dritten Art ein solches der zweiten machen kann – durch Vertragsgestaltung, gemeinsam mit Partnern oder indem man einen Dummen findet, der bereit ist, das Risiko zu übernehmen, wie manche Banken in den achtziger und früher neunziger Jahren auf dem Immobiliensektor oder dann später bei Hedge-Fund-Finanzierungen.

4)Schließlich gibt es noch eine vierte Risikoart. Es ist jenes Risiko, welches nicht einzugehen man sich nicht leisten kann. Es ist das Risiko, das man eingehen muss, weil man keine andere Wahl hat. Dieses Risiko nennt man aber nicht unternehmerisches Risiko oder kalkuliertes Risiko. Man nennt es Schicksal, Ausweglosigkeit oder Tragik.
Diese Art des Risikos ist meistens die Folge früherer Fehler und der Missachtung eherner Prinzipien des Managements und Wirtschaftens. Man hat früher einmal leichtfertig, A, B und C gesagt und muss jetzt gezwungenermaßen X, Y und Z akzeptieren.

Zumindest diese vier Risikoarten sollte man unterscheiden; vor allem jene Leute, die so laut nach dem risikofreudigen Unternehmer rufen, häufig aus einer völlig risikofreien Position heraus. Niemandem außer den Konkursanwälten nützt eine Unternehmenspleite. Ohne Ausnahme werden dadurch Produktivkraft und Wohlstand vernichtet.

Vor allem werden die Bereitschaft zu Engagement und die unternehmerische Motivation ruiniert, wenn junge Leute durch verführerische Slogans in die falschen Risikoarten gelockt werden.

Prof. Fredmund Malik ist Verwaltungspräsident des Management Zentrums St.Gallen und Herausgeber des M.o.M. Malik on Management Newsletter. Malik ist Autor mehrerer Management-Bücher. Sein letzter Bestseller „Führen, Leisten, Leben“ ist jetzt auch als Taschenbuch lieferbar.

Besuchen Sie Prof. Malik und sein Management Zentrum im Netz: www.mzsg.ch



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