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15.11.2002...Neues Spiel in deutschen Casinos




Punto Banco oder: Baccara in der Neuzeit – eine Chance für den Spieler ??

Ein Beitrag von Dr. Michael Ruesenberg

Baccara ist bekannt als ein Spiel mit hohen Einsätzen, selbst für Verhältnisse in typischen Spielcasinos, in denen beim Roulette und Blackjack ja auch nicht gerade mit Murmeln gespielt wird. Das Ganze spielt sich in separaten Räumen oder zumindest in einer weiträumig abgeteilten Fläche des Spielsaals ab, beginnt oft erst mitten in der Nacht und dauert bis zum Morgengrauen. Angesichts des Massenbetriebs in einem modernen Spielcasino können die Reichen wenigstens hier das Gefühl genießen, unter sich zu sein...

Diese Art, Baccara zu spielen, hat Konkurrenz durch eine moderne Casino-Variante bekommen. Ob diese nun weiterhin Baccara, Mini- oder auch Midi-Baccara oder Punto-Banco heißt, ist dabei schon fast nebensächlich. Jedenfalls erhält auch der mit durchschnittlichen finanziellen Mitteln ausgestattete Spieler die Möglichkeit, an diesem Spiel teilzunehmen – dies als erste Antwort auf die im Titel gestellte Frage. Oder hat hier jemand gesagt, er solle angelockt werden ?

Nach einer aktuellen Aufstellung des Spielangebots von Casinoland (www.casinoland.de) wird derzeit in den deutschen Spielbanken Schenefeld, Saarbrücken und Dortmund-Hohensyburg Punto-Banco angeboten, eine zunehmende Tendenz ist zumindest anzunehmen.

Optisch ist der Unterschied zwischen den beiden Varianten auf Anhieb zu erkennen, da bei der klassischen Form der Schlitten zwischen den Spielern entlang dem „chemin de fer“ (französischer Name für das große Spiel, wörtlich „Weg des Eisens“ – gemeint ist dabei die Kartenschaufel) wandert und außerdem die Spieler abwechselnd die Rolle der Bank und des „Ponteurs“ einnehmen, also die Karten selbst in die Hand nehmen, während beim Punto-Banco nur der Croupier die Spielkarten berührt. Man könnte sagen, der Gast im Casino, der sein Geld setzt, ist nicht mehr selbst der Spieler, sondern setzt nur noch auf diesen oder einen anderen persönlichen Favoriten.

Das klassische Baccara ist aus theoretischer Sicht sicherlich interessanter und ergiebiger als Punto-Banco, da es ein echtes Zwei-Personen-Spiel im Sinne der Spieltheorie ist.

Das hier zu betrachtende Punto-Banco enthält für den Spieler keinerlei Freiheiten als die Entscheidung, auf seinen Favoriten niedrig oder hoch oder gar nicht zu setzen; alles andere erledigt der Croupier für ihn. Wer das per se für langweilig hält, der sehe sich in den Spielbanken nur den Zulauf auf die Roulette-Tische an, bei denen man als Spieler nach dem Setzen auch nichts mehr zu melden hat. In diesem einführenden Artikel soll es um die Frage gehen, wie die Basis-Erwartungen bei den verschiedenen Arten zu setzen ausfallen. Dies kann unter Umständen Einfluß auf die eigene Spielstrategie haben.

Punto Banco – diesen Namen wollen wir im weiteren Verlauf benutzen - gilt als ein Casinospiel mit denkbar einfachen Regeln. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich die Feinheiten des Kaufens der dritten Karte für die Bank aber doch zu einem veritablen Dickicht. Doch eins nach dem anderen...




Die Spielregeln


Es folgt eine für die Zwecke dieses Artikels ausreichende Darstellung der Spielregeln. Eine ausführliche, bebilderte Darstellung der Spielregeln findet man – um nur ein Beispiel aus dem reichhaltigen Fundus des Internet zu nennen - auf den Seiten der Casinos Schleswig-Holstein (www.casino-sh.de/pdf_spiele/mpb.pdf).

Es werden 6 bis 8 in einem Kartenschlitten befindliche Kartendecks à 52 Blatt verwendet. Die Karten werden ausschließlich vom Croupier bewegt. Beim Punto Banco spielen die Karten von „Spieler“ und „Bank“ (oder - synonym – „Punto“ und „Banco“) gegeneinander. Gewinner ist derjenige von beiden mit dem höchsten Endstand, wobei eine 9 der bestmögliche Wert ist. Um Verwirrung zu vermeiden, ist fortan mit Spieler der Gast des Casinos gemeint, der seine Jetons setzt, und Punto ist einer der beiden Gegner im Punto-Banco, die mit ihren Karten gegeneinander antreten.

Bevor die erste Karte fällt, entscheidet der Spieler, ob er auf Punto, Banco oder auf „Tie“ (oder „Egalité“) setzt, er also darauf hofft, daß Punto gewinnt, Banco gewinnt oder daß es ein Unentschieden gibt. Das Setzen erfolgt einfach durch Plazieren der Jetons in erlaubter und gewünschter Höhe auf markierte Flächen des Spieltisches.

Beim Setzen auf Punto wird ein Gewinn in Höhe des Einsatzes an den Spieler ausbezahlt, sollte Punto gewinnen. Ist das Ergebnis ein Unentschieden, so bleibt der Einsatz liegen, im Falle des Verlustes wird der Einsatz abgezogen.
Beim Setzen auf Banco werden im Falle eines Gewinns nur 95% des Einsatzes als Gewinn ausbezahlt, der Rest ist analog zum Setzen auf Punto.
Bei einer Wette auf Unentschieden verliert der Einsatz, wenn entweder Punto oder Banco gewinnt; tritt ein punktemäßiger Gleichstand ein, so beträgt der Gewinn das Achtfache des Einsatzes – der Spieler bekommt also das neunfache Geld zurück.

Jede der beiden Hände startet mit zwei Karten. Jede Karte wird mit der aufgedruckten Zahl bewertet, das As zählt als 1, Zehner und Bilder als 10 oder 0, was hier das gleiche ist. Der Zwischenstand mit diesen beiden Karten wird nun für Punto und Banco getrennt berechnet und bestimmt den weiteren Spielverlauf.
Übersteigt die Summe der beiden Karten i und j – das gleiche gilt auch für den späteren Fall des Kaufens einer weiteren Karte - die Punktzahl von 10, so wird 10 abgezogen, so daß immer nur der „Einer“ übrigbleibt, eine Zahl also zwischen 0 und 9 (mathematisch: i+j modulo 10 ). 4+9 liefern also eine 3, 7+8+9 eine 4 usw.

Jede der beiden Hände zieht entweder genau eine Karte oder bleibt bei ihren zwei Karten.
Der einfachste Fall tritt ein, wenn wenigstens einer der beiden einen sog. Natural bekommt, ein Resultat, bei dem mit zwei Karten entweder 8 oder 9 erzielt wird. Dieser Natural bedeutet das sofortige Ende des Spiels, und keiner der beiden zieht eine weitere Karte.

Ansonsten zieht Punto mit 0..5 stets eine dritte Karte, während die Regeln für Banco komplizierter sind:

- Banco startet mit 0, 1, or 2 und nimmt dann immer eine dritte Karte.
- Banco startet mit 3 und zieht, falls Punto nicht zieht, oder falls Punto zieht und dessen dritte Karte den Wert 0, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 oder 9 besitzt.
- Banco startet mit 4 und zieht, falls Punto nicht zieht, oder falls Punto zieht und dessen
dritte Karte den Wert 2, 3, 4, 5, 6 oder 7 besitzt.
- Banco startet mit 5 und zieht, falls Punto nicht zieht, oder falls Punto zieht und dessen
dritte Karte den Wert 4, 5, 6 oder 7 besitzt.
- Banco startet mit 6 und zieht, falls Punto zieht und als dritte Karte eine 6 oder 7 findet.
- Banco startet mit 7 und zieht niemals.

Kompliziert? Sollen Baccara und seine Verwandten nicht das leichteste Casinospiel sein ??



Gewinnchancen


Unter Kenntnis dieser Regeln lassen sich die Gewinnchancen für Punto, Banco und Tie berechnen. Die Rechnung ist prinzipiell nicht schwierig – man muß die nach den Regeln möglichen Kombinationen von vier, fünf oder sechs Karten den drei denkbaren Resultaten
zuordnen und die jeweils aufgefundenen Wahrscheinlichkeiten P für das Eintreten von GP (Punto gewinnt), GB (Banco gewinnt) und GT (Tie gewinnt) geeignet aufsummieren.
Im Hinblick auf ein später noch zu verfolgendes Ziel, die gezogenen Karten zu berücksichtigen und daraus mögliche Gewinnchancen zu berechnen, hat der Autor jeder Karte eine eigene – zunächst variable - Wahrscheinlichkeit zugewiesen. Für die im Rahmen dieses Artikels benötigten Berechnungen sind alle diese Werte konstant und betragen 1/13 (bzw. 4/13 für Zehner oder Bilder mit Wert 0) – entsprechend ihrer Häufigkeit in einem vollständigen Kartendeck (oder 6 oder 8 davon).

Mit einem geeigneten Programm schafft man es dann , den PC zur Ausführung der ganzen Rechenarbeit zu überreden. Genaugenommen ist die konstante Verwendung von 1/13 nur eine Näherung, weil eine herausgezogene Karte bereits die Zusammensetzung des verbliebenen Kartenschlittens beeinflußt. Aber durch die Verwendung sehr vieler Karten ist der dadurch entstehende Fehler denkbar gering.

Bei der Rechnung muß die Summe aller Wahrscheinlichkeiten gleich 1 sein (Kontrolle!), da in jedem denkbaren Spiel eines der drei Ereignisse eintritt:

P(GP) + P(GB) + P(GT) = 1

Schließlich erhält man folgende Eintrittswahrscheinlichkeiten für die Ereignisse der Gewinne von Punto, Banco und Tie:

P(GP) = 0.44615
P(GB) = 0.45843
P(GT) = 0.09543

Das eigentliche Ziel der Überlegungen ist aber mit der Angabe von Wahrscheinlichkeiten auf fünf Stellen hinter dem Komma noch nicht erreicht. Dies sind dann schon eher die eigenen langfristigen Gewinnchancen, die sog. Gewinnerwartung E, die den prozentualen Gewinn oder Verlust über längere Spielstrecken angibt. Dieses Ziel wird erreicht durch die Definition

E = (Gewinn/Einsatz Gewinnwahrscheinlichkeit) - Verlustwahrscheinlichkeit .

Unter Berücksichtigung des 5%-Abzugs für Banco und des achtfachen Gewinns im Falle Tie findet man für die Gewinnerwartungen E(P), E(B) und E(T) beim Setzen auf Punto, Banco oder Tie

E(P) = -1.228 %
E(B) = -1.064 %
E(T) = -14.117 %


Leider können einem diese Zahlen kein Hurra-Erlebnis bereiten, und leider ist der Tie mit der hohen Auszahlung statistisch gesehen sogar eine echte Niete – hier ist es ein bißchen wie beim Plein im Roulette: man gewinnt relativ selten, aber wenn es denn passiert, dann ist die Freude über diesen Gewinn so groß, daß man die bis dahin eingetretenen Verluste gar nicht mehr registriert und schnell vergessen hat, daß man viel schlechtere Gewinnchancen hat als auf einfachen Chancen – erst recht, wenn man das obligatorische Trinkgeld für das Personal mit berücksichtigt.

Die Werte für Punto und Banco sind aber immerhin besser als z.B. die eines durchschnittlichen Blackjackspielers (-2% bis -5%) und immer noch besser als bei einem Spieler, der beim Roulette auf einfache Chancen setzt (-1.35 %).

So kann man also (noch) nicht gewinnen – und so muß die im Titel gestellte Frage in ihrer zweiten, wichtigeren Bedeutung bis hier mit „So einfach nicht!“ beantwortet werden.

Wer die Geschichte des Blackjackspiels in den USA und dem Rest der Welt ein wenig verfolgt hat, dem wird nicht entgangen sein, daß durch Techniken zum Mitzählen der gefallenen Karten aus einem Kartenschlitten heraus ein anfänglicher Verlust – genauer: eine negative Gewinnerwartung - unter gewissen Voraussetzungen ins Plus gedreht werden kann.
Diesem Kenner stellt sich naheliegenderweise die Frage, ob so etwas auch beim Punto Banco möglich ist, zumal die anfängliche Gewinnerwartung für das Setzen auf Punto oder Banco und für den Spieler, der beim Black Jack perfekt zieht (-0.8% für die Basisstrategie), in einer ähnlichen Größenordnung liegt, und da außerdem beim Punto Banco aus dem Schlitten erfahrungsgemäß bis zum Mischen der Karten viel tiefer gezogen wird als beim Black Jack
Wie groß der Einfluß der unterschiedlichen Spielregeln und Spielabläufe ist, der letztlich den Einfluß der gezogenen Karten auf die Gewinnerwartung bestimmt, läßt sich ohne eine Computersimulation kaum abschätzen.

Dem Interessierten sei geflüstert, daß der Autor (Michael.Ruesenberg@t-online.de) genau diese Frage mittels computergestützter Berechnungen zu erforschen begonnen hat ...



Sonstige Aspekte


Alan Krigman („Playing It Smart“, Vol. 7, No.37, 9-Oct-00, Vol. 4, No. 30, 21-Jul-1997 sowie Vol. 6, No. 31, 02-Aug-1999) läßt sich detailliert über sechs verschiedene Einsatz-Strategien und empfohlene Einsatzhöhen aus. Der Autor zieht es vor, diese Quellen lediglich zu erwähnen, da eine Anwendung der Inhalte dieser Pamphlete stark vom persönlichen Geschmack des einzelnen Spielers abhängen.



E-Mail: info@printul.de






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