Einführung
Dieser Band, eine Anatomie-Studie des Roulette mit kommentierten Fotosequenzen, Diagrammen, Graphiken und Skizzen, geht davon aus, daß einem erfolgreichen praxisorientierten Spiel nicht eine unzureichende statistische Überprüfung von Märschen und Einsatztaktiken zugrunde liegen kann, sondern vielmehr eine zielgerichtete, intelligente Beobachtung und Wahrnehmung des Spielablaufs und seiner bestimmenden Faktoren.
Wir werden uns, kurz gesagt, mit der Sichtbarmachung einiger elementarer technischer und physikalischer Gegebenheiten und Tatsachen des Spiels befassen, ohne auf mathematische, statistische oder wahrscheinlichkeitstheoretische Formeln zurückzugreifen.
Es gibt unzählige Systemideen, und sicherlich wissen viele Leute eine Menge zu diesem Thema zu sagen. Die Erfahrung zeigt jedoch, daß nur sehr selten etwas Interessantes und Neues dabei herauskommt.
Wenn Ihnen der vorliegende Bildband den wünschenswerten intuitiven Eindruck zur ersten Abschätzung Ihrer Chancen beim Testen einer neuen Spielidee vermitteln kann, dann empfiehlt sich auch ein Studium meines Basiswerks,
Roulette; die Zähmung des Zufalls
um die konkrete, ins Auge gefaßte Strategie zu rationalisieren und zu begründen. In diesem Sinne ist der vorliegende Band als ein Komplementärwerk zum erwähnten Basiswerk anzusehen - und umgekehrt.
Dennoch - oder gerade deshalb - werden uns immer wieder einige der Bilder bzw. einige der bestimmenden Faktoren des Spielverlaufs in Erstaunen versetzen, besonders da solche Abbildungen zum ersten Mal gezeigt werden. Es ist eben doch ein Unterschied, ob wir etwa Momentaufnahmen einer kollidierenden Kugel vor Augen haben und in Ruhe betrachten können oder ob wir nur eine Beschreibung darüber lesen.
Einige der Labormessungen und Aufnahmen in diesem Band bedingten nicht nur einen großen Arbeitsaufwand für die Lösung kniffliger technischer Probleme, sondern nicht selten auch eine große Portion Geduld, bis das untersuchte Ereignis richtig »im Kasten&laqno; war. Denn es mußte ja nicht nur für wissenschaftliche Auswertungen brauchbar, sondern auch noch vorzeigbar sein.
An dieser Stelle sei Jacques Thiele herzlich gedankt, sowohl für die Realisierung und Optimierung der technischen Meßeinrichtungen als auch für die einfallsreiche Bildtechnik, die er meisterhaft demonstriert und durch die der konzeptuelle Inhalt des Bandes - sowie zahlreiche Aussagen des Basiswerks - erst einen faktischen, greifbaren Aspekt erhalten.
Zweifellos wird Ihnen die vorliegende Arbeit helfen, einige grundlegende technische und physikalische Tatsachen dieses nicht nur in wissenschaftsphilosophischer, sondern auch in praktischer Hinsicht faszinierenden Spiels Roulette bewußt zu berücksichtigen.
Pierre Basieux
INHALTSVERZEICHNIS
Einführung
TEIL 1
Die Anatomie der Maschine
Der Hexenkessel ohne Hexerei
Fächerkranz und Nummernkranz: nur scheinbar eine Einheit
Die Kugeln: Elfenbein groß und klein
TEIL 2
Die Anatomie des Kugellaufs
Abrollvorgänge und Rattermänner
Spuren des Hindernisrennens
Die Chaos-Theorie: kleine Ursachen, große Wirkungen
Das Streuweitenverhalten statistisch gesehen
TEIL3
Von A wie Algorithmus bis Z wie Zauberformel
Streuweitenverteilungen und Scheibengeschwindigkeiten
Kollisionszeiten und Koflisionsorte
Nostalgie der Zauberformel
TEIL4
Sequenzen des Kesselguckens
Die verborgenen Parameter: Jeder sieht sie, aber nur wenige nehmen sie wahr
Momentaufnahmen dynamischer Zuordnungen
Die 7-3-Formel: besser schneller weniger genau als perfekt zu spät
Der Fallpunkt: Idealfall als Kompromiß
Protokoll eines unveröffentlichten Interviews
Literatur und Quellennachweis
DerAutor